Pressemitteilung
Kernfusion: Das Geld wird dringender gebraucht
Zur Abstimmung zur Fusionsforschung in den Haushaltsausschüssen des
Landtages und des Europäischen Parlaments erklären Johannes Saalfeld,
finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag und Reinhard Bütikofer,
Mitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des
Europäischen Parlaments:
"Vergangene Woche hat der Finanzausschuss des Landtags zusätzlich knapp
800.000 Euro für das Wendelstein 7-X Experiment bewilligt. Da
Mecklenburg-Vorpommern nur 10 Prozent der Gesamtkosten trägt, belaufen
sich die außerplanmäßigen Mehrausgaben in diesem Jahr auf insgesamt
knapp 8 Mio. Euro. Weitere Steigerungen in den nächsten Jahren sind
wahrscheinlich. In unserem Bundesland werden mehr öffentliche Gelder für
die Erforschung der Kernfusion als für die Erforschung der Erneuerbaren
Energien ausgegeben. Das ist doch absurd! Schließlich braucht zum
Beispiel die heimische Windkraftbranche dringend Unterstützung bei der
Erforschung und Weiterentwicklung der regenerativen Techniken, um
wettbewerbsfähig zu bleiben", so Johannes Saalfeld.
Die Grünen zeigen sich zudem skeptisch, ob die sehr teure
Kernfusionsforschung überhaupt ihre Versprechungen erfüllen kann.
Saalfeld erinnert daran, dass 1961 auf dem ersten
Fusionsforschungskongress in Salzburg bereits versprochen wurde, dass in
den 1980er Jahren die Technik zur Verfügung stünde. Heute rechnet
niemand ernsthaft vor dem Jahr 2050 mit der wirtschaftlichen
Erstnutzung. "Viel zu spät, viel zu teuer, viel zu unsicher", so Saalfeld.
„Ein Fass ohne Boden ist auch das Fusionsprojekt ITER in Frankreich. Für
die nächsten zwei Jahre werden zusätzlich 1,3 Milliarden Euro benötigt.
Insgesamt wird ITER mindestens 16 Milliarden Euro kosten. Seit dem Start
des Projekts sind die Kosten für die EU um mehr als 250 Prozent auf
mittlerweile 7,2 Milliarden Euro gestiegen“, stellt Reinhard Bütikofer
fest.
„Die Forschung zur Kernfusion ist keine Grundlage für ein modernes
Energiekonzept, im Gegenteil. Die Fusionsforschung kommt nicht nur zu
spät, um einen Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten, sondern sie
bindet große Teile des europäischen Forschungsbudgets auf Kosten der
Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz“, so Bütikofer.„Dabei müsste
insbesondere in diesen Bereichen ein Schwerpunkt gesetzt werden.“