Nach dem Wochenende mit tollen Veranstaltungen beim Kappenabend der Kolpingfamilie in Dietesheim und der Raga in Bürgel hat gestern eine weitere Bundestags-Sitzungswoche begonnen. Gleich geht es zur Fraktionssitzung, wo unter anderem das Fiskalpaket und der ESM-Vertrag sowie die Entwicklungen in Ägypten besprochen werden.
Habe heute den Maschinenbauer KBA Metalprint besucht. Die mittelständische Firma ist ein weltweit bedeutender Hersteller von Metalldruckmaschinen und Anlagen zur Abluftreinigung. Thema des Besuches waren auch Stretegien zur Gewinnung von qualifizierten Arbeitskräten etwa im Ingenieursbereich. Bei der anschließenden Wirtschaftsexpertenrunde haben wir das Thema Fachkräftemangel genauer besprochen und diskutiert. Auf dem Bild zeigt mir Geschäftsführer Ralf Gumbel die Fertigung.
Heute im Wirtschaftsausschuss haben wir das Thema Elektromobilität besprochen. Hier liegt eine Riesenchance für den Industriestandort Berlin. Wie Herr Lobenberg von der eMO-Agentur ausführte, hat Berlin sich als ein internationales Schaufenster der Elektromobilität beworben und hat gute Aussichten zu den fünf Siegerregionen zu gehören.
CC by Penn State Libraries Puctures Collection An diesem Freitag hat sich zum siebzigsten Mal die Wannsee-Konferenz gejährt. Dort wurden die Details der "Endlösung" besprochen. Das JüdInnen für den Krieg und alles Übel in der verantwortlich seien und daher vernichtet werden mussten, hatten die Nazi-Schergen bereits vorher beschlossen. In Wannsee wurde die Machbarkeit erörtert....
Singularität des Holocaust - 70 Jahre Wannsee-KonferenzKein Streit über möglichen CDU-Kandidaten Samstag, 21. Januar 2012, 18:30 Uhr Stuttgart (dpa/lsw) - Die CDU will einen Streit über mögliche Kandidaten für die Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl vermeiden. Die von CDU-Kreischef Stefan Kaufmann eingebrachte Personalie Sebastian Turner sei nun auch mit der Findungskommission besprochen, sagte die Vize-Fraktionsvorsitzende im Stuttgarter Stadtrat, Iris Ripsam, am Samstag der Nachrichtenagentur dpa nach einem Treffen des Gremiums. Turner werde sich nun parteiintern vorstellen. Ripsam betonte aber: «Eine Festlegung ist noch nicht erfolgt.» Über den Kandidaten soll ein mitgliederoffener Kreisparteitag am 17. März entscheiden.
Meine E-Mail an die Parteifreunde von heute Abend: Liebe Parteifreundinnen und Parteifreunde, die Stuttgarter Medien berichten seit heute Nachmittag im Internet vorab und ab Samstag in den Printausgaben ebenso wie die FAZ über Sebastian Turner als möglicher OB-Kandidat der Stuttgarter CDU. Dies nehme ich zum Anlaß, Sie und Euch heute abend vorab mit dieser Mail zu informieren. Mir ist zweierlei wichtig: Zum einen wurde der Name nicht von mir an die Medien lanciert. Er sollte morgen Nachmittag in der Findungskommission erstmals "öffentlich" gemacht und dort vertraulich diskutiert werden. Bisher war er auch nur einem relativ kleinen Kreis an Personen, mit denen im Vorfeld Gespräche stattgefunden haben, bekannt. Der Name von Sebastian Turner wurde allerdings spätestens heute vormittag "durchgestochen" bzw. ist bereits zuvor durchgesickert, so dass ich heute nachmittag von diversen Medienvertretern damit konfrontiert wurde. Ich habe mich sodann - sicherlich gut nachvollziehbar - hinter die Kandidatur Sebastian Turners gestellt. Die Nennung des Kandidaten, der von mir vorgeschlagen wird, stellt jedoch keine Vorfestlegung des Kreisverbandes dar, sondern ist mein persönlicher Vorschlag. Gleichermaßen kann jedes Mitglied der Findungskommission, des Kreisvorstandes und jedes Mitglied der Stuttgarter CDU einen Vorschlag machen. Diese Möglichkeit nehmen die Mitglieder auch aktiv wahr. Und dies ist der zweite Punkt, der mir wichtig ist: Es bleibt beim beschlossenen Verfahren. Das heißt: Am 27. Februar werden in einer gemeinsamen Sitzung von Kreisvorstand und Gemeinderatsfraktion alle bis dahin bekannten Kandidaten und alle Kandidatenvorschläge, die aus den Reihen der Partei gekommen sind, besprochen. Der Kreisvorstand beschließt sodann vor dem Hintergrund der Bewerberlage darüber, wie das Kandidatentableau für den 17. März aussehen wird, wie die Kandidatenvorstellung ablaufen und welches Wahlverfahren angewandt wird. Entscheiden wird dann abschließend der mitgliederoffene Parteitag am Samstag, den 17. März 2012 ab 10 Uhr im SSB-Veranstaltungszentrum. Dann hat die CDU-Basis das letzte Wort darüber, wer aus dem Kandidatentableau im Rennen um den Stuttgarter OB-Sessel von der CDU unterstützt wird. Der Kandidat Sebastian Turner ist über dieses Verfahren informiert und stellt sich dem parteiinternen Auswahlprozess. Er wird im übrigen in den nächsten Tagen und Wochen auch regelmäßig in Stuttgart sein, an Veranstaltungen teilnehmen und zu Gesprächen zur Verfügung stehen. Zu Ihrer und Eurer schnellen Information findet sich unten stehend noch ein kurzes Kandidatenprofil. Ich freue mich auf die weitere Diskussion und bitte um ein faires Verfahren! Bis zu unserer nächsten Begegnung - spätestens bei unserem Neujahrsempfang am 30. Januar! Ihr und Euer Stefan Kaufmann ___________________________________________________ KURZPROFIL Unternehmer, Gestalter, Kinderfreund Sebastian Turner, 45, ist ein erfolgreicher mittelständischer Unternehmer und Professor für Gestaltung mit Wurzeln in Stuttgart. Seit 2009 ist Turner vornehmlich im Wissenschaftssektor tätig als Vorstand der Einstein Stiftung zur Förderung exzellenter Forschung, Gründer der internationalen Falling Walls Wissenschaftskonferenz und Honorarprofessor für Gestaltung an der Universität der Künste in Berlin. Zuvor war er als Medienunternehmer tätig. 1985 bis 1995 war er Gründer und Herausgeber von „Medium, Magazin für Journalisten“ (heute die grösste unabhängige Journalistenfachzeitschrift in Deutschland), bis 2008 war er Vorstandsvorsitzender der Scholz & Friends Gruppe, die sich unter seiner Leitung zur grössten unabhängigen Kommunikationsgruppe in Europa mit über 1000 Mitarbeitern entwickelte. Es gilt als „einer der kreativsten Köpfe Deutschlands“ (Die Welt). Turner wuchs in Stuttgart auf und gründete dort in den 80er Jahren die erste unabhängige Stadtschülerzeitung. Er studierte in Bonn und den USA Politikwissenschaft, Wirtschaftsgeschichte und Betriebswirtschaftslehre und schloss 1990 an der Graduate School der Duke University (North Carolina) ab. Turner, Sohn des früheren Hohenheimer Unipräsidenten George Turner, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er lebt mit seiner Familie in Berlin. Mit Stuttgart ist Turner bis heute insbesondere über das Kuratorium Kinderfreundliches Stuttgart verbunden. Die Initiative, Stuttgart zu einer kinderfreundlichen Stadt zu entwickeln, geht auf seine Anregung zurück und wird von ihm seit vielen Jahren begleitet. Turner ist auch darüber hinaus vielfältig ehrenamtlich engagiert, beispielsweise als Präsidiumsmitglied beim Deutschen Evangelischen Kirchentag (2003-2009) und Mitglied des Deutschen Komitees für die Kinderhilfsorganisation Unicef. Der parteilose Turner gilt auch als Brückenbauer zwischen den politischen Lagern. Er gehört der Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit der Bundes-CDU (Leitung Hermann Gröhe) an und wurde vom Berliner Senator Jürgen Zöllner (SPD) für die Leitung der Einstein Stiftung gewonnen. Die alternative Tageszeitung „taz“ verdankt Turner eine ihrer erfolgreichsten Rettungsaktionen und die grün-rote Landesregierung von Baden-Württemberg setzt die von Turner erdachte Botschaft „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ unverändert fort.
Magda Langhans wurde am 16. Juli 1903 in Hamburg als Magda Kelm in eine Arbeiterfamilie hineingeboren und lebte mit sechs jüngeren Geschwistern erst in Hammerbrook. Später lebte sie auf dem Dulsberg, im Kattowitzer Weg, am Lämmersieth und in der Marienthaler Straße. Der Vater – der früh an Tuberkulose verstarb – war Kutscher, die Mutter Putzfrau. In zweiter Ehe heiratete diese einen Hafenarbeiter. Mit 18 Jahren trat Magda Langhans in die Gewerkschaft ein, mit 24 Jahren wurde sie Mitglied der KPD. Sie arbeitete als Küchenhilfe, in einer Weinhandlung und als Buchdruck-Anlegerin. 1930/31studierte sie an der internationalen Leninschule in Moskau. Ihre erste und einzige Ehe mit dem Dekorationsmaler Heinrich Langhans, den sie nach ihrer Zeit im Zuchthaus 1940 heiratete und der 1978 starb, blieb ohne Kinder. Magda Langhans war bereits von 1931 bis 1933 für die Fraktion der KPD Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, die 21,86 Prozent aller Stimmen erhalten hatte und 26 Sitze einnahm. Am 24. April 1932 wurde die NSDAP zur stärksten Fraktion in der Bürgerschaft, konnte aber erst nach einer Koalition mit DStP, DNVP und DVP20 ab 1933 den Senat stellen. Die Verfolgung und Verhaftung der ersten KPD-Abgeordneten begann unmittelbar nach der Machtübernahme. An der Sitzung der Bürgerschaft am 8. März 1933 nach der Neubesetzung des Senats nahmen die KPD-Abgeordneten bereits nicht mehr teil. In einem Brief an den damaligen Bürgerschaftspräsidenten Herbert Ruscheweyh (SPD) schrieben sie unmittelbar vor der Sitzung: „Gegen die Funktionäre und Abgeordneten der KPD ist Haftbefehl ausgesprochen. Wir haben keine Veranlassung, unsere Abgeordneten freiwillig der faschistischen Diktatur auszuliefern und nehmen darum an der heutigen Sitzung nicht teil.“ Die Mandate der Bürgerschaft wurden von der NSDAP um die Sitze der KPD verringert, die KPD selbst verboten. Am 28. Juni 1933 kam die Bürgerschaft zu ihrer vorerst letzten Sitzung zusammen, von dieser waren auch die SPD-Abgeordneten ausgeschlossen worden. Auch die SPD wurde unmittelbar darauf verboten, etliche Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen waren ebenfalls festgenommen worden. Drei Jahre vor ihrem Tod, 1984, schrieb Magda Langhans: „Ich habe noch im Februar 1933 vom Rathaus 2000 Mark Diäten für unsere KPD-Abgeordneten abgeholt. Das Geld konnten wir dringend gebrauchen. Unsere illegal arbeitenden Genossen mussten doch leben und auch wegkommen können. ... Wir haben noch am 1. Mai 1933 eine illegale Demonstration durch unseren Stadtteil gemacht. Da haben wir die Betten abgezogen und die roten Inletts aus den Fenstern hängen lassen. Erst als die SA kam, zogen wir uns zurück, um nicht unnötig die Genossen zu gefährden. Am 2. Mai besetzten die Faschisten unsere Wohnung. Aber ich konnte noch ein Jahr illegal weiterarbeiten, bis ich im Mai 1934 verhaftet wurde.“ Magda Langhans-Kelm war im antifaschistischem Widerstand dafür verantwortlich, dass die auch im Untergrund weiter verbreitete Zeitung der KPD, die „Rote Fahne“ und andere Flugblätter ihren Weg nach Hamburg fanden und unter die Bevölkerung gebracht wurden. Walter Hochmuth (*1904, t 1979), Redakteur der Hamburger Volkszeitung, schrieb über Magda Langhans-Kelm: „Im April (1934) kam ich durch Magda Kelm wieder in Verbindung zur Bezirksleitung der KPD. Sie übergab mir eine auf Seidenpapier gedruckte Ausgabe der ,Roten Fahne', die einen Artikel über die bestialische Ermordung Willi Dolgners enthielt. Weiter erhielt ich von ihr Material, das ich zum bevorstehenden 1. Mai bearbeiten sollte.“ Zwischen 1933 und 1939 wurden in Hamburg etwa 8.500 Mitglieder der KPD verhaftet. Vorwurf: Vorbereitung zum Hochverrat. Magda Langhans-Kelm wurde umgehend im so genannten „Prozess Nr. 35“ aus der Serie „Lemke und Genossen“ angeklagt. Er hatte die Tätigkeit der Abteilung „Agitation und Propaganda“ der KPD-Bezirksleitung Wasserkante zum Inhalt. Langhans wurde in der Anklageschrift beschuldigt, im Juni 1933 mit sieben Hamburger Funktionären in Kopenhagen eine nicht näher dargelegte Schulung durchgeführt zu haben. Ihr wurde außerdem „ständiger Kontakt mit der KPD-Landesleitung in Berlin und dem Emigrationszentrum in Kopenhagen“ vorgeworfen. Das Urteil für Magda Langhans-Kelm lautete: sechs Jahre Zuchthaus. Von 1934 bis 1940 saß sie im Frauengefängnis Lübeck-Lauerhof ein. Sie war die erste Frau, die aus politischen Gründen in Hamburg von den Nazis verurteilt und inhaftiert wurde. Noch heute ist Lauerhof ein Gefängnis, allerdings für Männer und das größte in Schleswig-Holstein mit fast 500 Plätzen. Lucie Suhling (*1905, t 1981), Redaktionssekretärin der „Hamburger Volkszeitung“, hat zusammen mit Magda Langhans in diesem Zuchthaus eingesessen. Sie schrieb 1980: „Alle Politischen waren auf Station II untergebracht. Nach Hedwig Voegts Entlassung wurde Magda Kelm zu mir verlegt. Sie hatte in der Abteilung ,Agitation und Propaganda' der BL (Bezirksleitung der KPD. K.A.) gearbeitet und diese Tätigkeit auch nach 1933 fortgesetzt. Magda half den illegalen Betriebs- und Stadtteilgruppen bei der Herausgabe ihrer Kleinzeitungen und Flugblätter und hatte in Hamburg und Kopenhagen mit unseren Funktionären Schulungen durchgeführt, die das Rüstzeug für den politischen Kampf unter den Bedingungen der Hitler-Diktatur vermitteln sollten. Magda ging es wie mir: Auch ihr Mann, Hein Langhans, war von der Gestapo hinter Gitter gesteckt worden.“ Über die Bedingungen der Haft schreibt sie: „Von ihren Schikanen als SS-Wachtmeisterin (Gemeint ist die Zuchthauswärterin Sauerberg, K.A.) will ich weiter nicht berichten, aber erwähnen, wie sie uns außerdem zusetzte: Sie hob die Röcke unserer Kleidung hoch unter dem Vorwand, zu kontrollieren, ob unsere Hosen auch richtig verschlossen seien oder sie griff uns an die Brust, um – wie sie sagte – festzustellen, ob wir dort etwas versteckt hätten usw. Und wir mussten uns das gefallen lassen! Sie tat ja nur ihre ,Pflicht', aber das war es eben.“ Als Bürgerschaftsabgeordnete vor und nach dem Zweiten Weltkrieg war Magda Langhans in vielen parlamentarischen Ausschüssen aktiv und auch als frauenpolitische Sprecherin ihrer Fraktion tätig. Zur Frauenpolitik der KPD schrieb der Historiker Holger Christier 1975: „Von der Meinung ausgehend, dass sich Frauen in der Vergangenheit in starkem Maß für reaktionäre Ideologien anfällig gezeigt hätten, wollte die KPD die politische Aufklärung und Aktivierung der Frauen intensiv betreiben. ,Die Frau muss politisch von uns gewonnen werden, damit sie nicht wieder als >unpolitisches< Wesen von der Reaktion ausgenutzt werden kann.' Hinzu kam, dass die Frauen in Folge der starken Kriegsverluste unter den Männern quantitativ eine gegenüber der Vorkriegszeit wesentlich größere Rolle spielten. Die Forderung nach Gleichberechtigung der Frau versuchte die KPD innerparteilich dadurch zu verwirklichen, dass sie keine gesonderten Frauengruppen oder -abteilungen schuf, sondern, um den Anschein einer Ausnahmestellung von vornherein zu vermeiden, die Frauen zu den jeweiligen Aufgaben mit heranzog. Dies sollte auch für innerbetriebliche Einrichtungen wie den Betriebsrat gelten, wobei die Parole >Gleicher Lohn für gleiche Arbeit< im Vordergrund stand.' Ob wohl sie aus heutiger Sicht nicht als Feministin bezeichnet werden kann, engagierte sich Magda Langhans nach 1945 in der „Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit“2, die es heute noch gibt. Sie war zudem Landesvorsitzende des Demokratischen Frauenbunds in Hamburg, den es heute nicht mehr gibt. Durch gemeinsames Wirken im Frauenreferat der KPD lernte Magda Langhans Gertrud Bauche kennen. Diese war Gymnastiklehrerin und nach ihrer lebensbedrohlichen Erfahrungen der NS-Verfolgung seit Herbst 1945 Mitglied der KPD. Ihr Vater, Max Mendel, war als Genossenschaftskaufmann und Sozialdemokrat von 1925 bis 1929 Mitglied des Hamburger Senats gewesen. Als Jude blieb Mendel der einzige ehemalige Senator, den die Nazis ermordet hatten. Gertrud Bauche starb hochbetagt 1999. Ihr Sohn, der Volkskundler und und Kulturhistoriker Professor Dr. Ulrich Bauche, beschreibt Magda Langhans als bescheiden und freundlich. Sie konnte sehr gut zuhören, berichtet er und wirkte auf ihn zwar bestimmt, aber nie rechthaberisch. Magda Langhans gehörte im Landesvorstand der KPD zu denen, die ihn 1950 für ein Studium nach Leipzig empfahlen, das er 1953 abschloss. Die Hamburgische Bürgerschaft befasste sich in den Nachkriegsjahren immer wieder mit der Entschädigung politisch Gefangener. Magda Langhans setzte sich in ihren Reden als Bürgerschaftsabgeordnete leidenschaftlich für eine Wiedergutmachung der NS-Verfolgten ein. Doch die Handlungsgrundlagen des „Komitees für die Wiedergutmachung“, welches sich aus ehemaligen KZ-Häftlingen zusammensetzte und die Anerkennung ehemaliger Konzentrationäre und Konzentrationärinnen vornahm, waren schwierig. Zum einen hatte die Gestapo die Unterlagen, die Aufschluss erteilen konnten über die Anzahl und Örtlichkeit der Lager sowie Karteien über die Insassen vernichtet, heißt es in einem Protokoll der Sozialverwaltung vom Mai 1945. Der Historiker Jörg Berlin schrieb 1981: „Bis Ende April 1946 wurden 20.265 Anträge auf Anerkennung als politische Gefangene gestellt, von denen 10.525 positiv, 5.125 abgelehnt oder an zuständige Heimatorte verwiesen wurden. Auch in der Folgezeit gingen noch Tausende Anträge ein.“ Zum anderen rückten die politischen Häftlinge schnell aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein und damit dem Verantwortungsgefühl: „Vielleicht müssen wir, die politisch Verfolgten, uns ehrlich Antwort geben, dass die Ursache unserer Unbeliebtheit nicht nur in der bewussten Verleumdung aus Kreisen alter und neuer faschistischer Bestrebungen liegt, sondern auch in jener nur halben Wahrheit, die bei der Öffnung der KZ-Lagerorte dem deutschen Volk unterbreitet wurde. Die andere Seite, nämlich der Kampf des deutschen Widerstandes, die Solidarität des Lagers und die internationale Zusammenarbeit waren Dinge, von denen das deutsche Volk nichts erfuhr, denn weder die Presse der Besatzungsmacht, noch die deutschen Zeitungen sorgten für genügende Aufklärung auf diesem Gebiet. ... Die deutsche Bevölkerung war 1945 kriegsmüde; die offene Sympathie für das NS-Regime war weithin tabuisiert, Muster nationalsozialistischer Indoktrination und die vorausgegangene politische Orientierung mit ihrer historisch tief verankerten obrigkeitsstaatlichen Komponente wirkten nichtsdestoweniger weiter. ... Überdies war die Lebensmittel- und Brennstoffversorgung in den ersten Nachkriegsjahren durchweg schlechter als in der Kriegszeit.“ Auch zur Entnazifizierung äußerte sich Magda Langhans mehrere Male in der Bürgerschaft. Die Authentizität ihrer Kritik bestätigt sich durch folgende Schilderung von Jörg Berlin: „Das Komitee erkannte allerdings bald, dass die Qualität der Entnazifizierung auf einer viel höheren Ebene entschieden wurde. Aus leidvoller Erfahrung waren die ehemaligen politischen Gefangenen besonders misstrauisch gegenüber der Justiz; die skandalöse Entnazifizierungspraxis gerade in diesem Bereich – Hamburg war da keine Ausnahme in den Westzonen – veranlasste das Komitee schon im November 1945 zu einem ausführlichen Memorandum an Bürgermeister Rudolf Petersen, in dem es eine >Überschwemmung der hamburgischen Justiz mit ehemaligen Pg< beklagte.“ Am 27. Februar 1946 traf sich die durch die britische Militärregierung „Ernannte Bürgerschaft“ zu ihrer konstituierenden Sitzung. Der Frauenanteil betrug 16 Prozent, Magda Langhans war eine der 17 weiblichen Abgeordneten und wurde als erste Frau überhaupt in Hamburg in das Präsidium einer Bürgerschaft gewählt, und zwar als ihre zweite Vizepräsidentin. Magda Langhans sagte unmittelbar nach ihrer Wahl: „Es erfüllt mich mit besonderer Genugtuung, dass auch die neue Demokratie erkannt hat, dass die Frauen heute nicht mehr abseits stehen dürfen beim Neuaufbau unseres neuen Deutschlands.“ Nach den ersten freien Wahlen 1946 zog Magda Langhans erneut in die Bürgerschaft ein – die KPD errang 10,4 Prozent der Stimmen. Die kommunistische Fraktion umfasste vier Abgeordnete, stellte zusammen mit SPD und FDP unter Max Brauer (SPD) die Regierung und übernahm mit Friedrich „Fiete“ Dettmann (*1897 t 1970) die Gesundheitsverwaltung. Magda Langhans wurde nicht müde, die Erinnerung an wichtige Aspekte der Geschichte in ihre tagesaktuelle Parlamentsarbeit einzubinden. So beantragte die KPD-Fraktion am 10. März 1948, von Magda Langhans initiiert, den 18. März zum gesetzlichen Feiertag zu erklären – im Gedenken an den Beginn der Revolution von 1848. Mehrheiten erhielt dann allerdings ein Abänderungsantrag der SPD, am 18. März lediglich eine staatliche Veranstaltung durchzuführen. Begründung: Die Militärregierung lege alle Feiertage fest. Das stimmte zwar, dennoch wäre eine Willenserklärung der Bürgerschaft möglich gewesen. Am 10. März 1948 stand außerdem eine Anfrage von Magda Langhans zu dem Buch „Das letzte Kapitel“ auf der Tagesordnung der Bürgerschaft. Der SPIEGEL hatte in seiner Ausgabe vom 14. Februar 1948 berichtet, dass der Direktor des Hamburger Staatsarchivs, Kurt Detlev Möller, aufgrund des von ihm geschriebenen Buches beurlaubt worden sei. Es hatte immense Proteste in der Bevölkerung gegeben, weil in dem Werk die Rolle des Gauleiters und Reichsstatthalters Hamburgs, Karl Kaufmanns, verherrlicht worden wäre. So sprach der Autor ihm „neben nationalem ein ausgesprochen soziales Bewusstsein“ zu, nannte ihn „energiegeladen“, gestand ihm „Entschlusskraft und ein beachtliches Organisationstalent“ zu. Kaufmann sei „ganz zuletzt, für Deutschland zu spät, aber für Hamburg noch rechtzeitig zum Rebellen gegen den Führer und die Führung des Reiches geworden.“ Der SPIEGEL schrieb, dass ein Exemplar des Buches auf dem Schwarzmarkt mit bis zu 500 Reichsmark gehandelt würde. Hintergrund war die begrenzte Druckauflage. Gegenstand der Anfrage von Magda Langhans war die Rolle des Senats, dessen Wissen über die Drucklegung, das Manuskript und wer die Lieferung des nötigen Papiers für den Druck zur Verfügung gestellt habe. Und ob der Senat Möglichkeiten sähe, das Buch verbieten zu lassen. Der Senat antwortete, dass die Senatskanzlei angewiesen habe, dem Verlag „Hoffmann und Campe“ das Papier zur Verfügung zu stellen. Am 5. Mai 1949 wurde die Anfrage von Magda Langhans in der Bürgerschaft besprochen. Magda Langhans schilderte in ihrer Rede, dass „Möller ein Förderer des Nazigeistes und ein großer Antisemit war“. Dennoch habe er den Auftrag der Senatskanzlei – entweder unter Bürgermeister Rudolf Petersen oder unter dessen Nachfolger Max Brauer – erhalten. Langhans prangerte an, dass Kaufmann „noch 1945 Greise und Gebrechliche zu Tausenden aus Hamburg zum Volkssturm (hatte) einziehen lassen“ und das Buch völlig unerwähnt gelassen hatte, „dass 7.955 Hamburger, davon 7.374 Juden, ihr Leben lassen mussten, weil sie sich für Deutschlands Freiheit einsetzten“. Aus dem Beitrag des nach Magda Langhans redenden sozialdemokratischen Abgeordneten Helmut Kalbitzer geht hervor, dass das Entnazifizierungsverfahren gegen Möller bereits zu seinen Gunsten entschieden worden war. Kalbitzer kritisierte, dass die Militärregierung aus formaljuristischen Gründen ein Wiederaufnahmeverfahren abgelehnt hatte. Am 18. Mai 1949 fand in der Hamburgischen Bürgerschaft die namentliche Abstimmung zum Grundgesetz statt. Magda Langhans stimmte wie die gesamte KPD-Fraktion dagegen. Die Abgeordneten waren der Auffassung, dass ein einseitig erlassenes Grundgesetz die Einheit Deutschlands erschweren würde. Stattdessen sollte die Bürgerschaft die fünf Tage später stattfindende Außenministerkonferenz der vier Besatzungsmächte ersuchen, die politische, wirtschaftliche und kulturelle Einheit Deutschlands wiederherzustellen. Im Zuge des beginnenden Kalten Krieges wurde Magda Langhans 1951 von der Alliierten Kontrollkommission die Herausgabe aller Veröffentlichungen für die Zeit von 90 Tagen verboten, berichtete das „Hamburger Abendblatt“ am 11. Juli 1951. Anlass war der nicht näher ermittelbare Vorwurf, das Ansehen der Besatzungsmacht geschädigt zu haben. Auch den kommunistischen Fraktionen in Hamburg und Bremen wurde verboten, ihr gemeinsames Organ „Norddeutsche Volksstimme“ herauszugeben. Zu ihrem 50. Geburtstag 1953 erhielt Magda Langhans ein Glückwunschschreiben ihrer Fraktion. Darin heißt es: „Fast zehn Jahre Deines kämpferischen Lebens hast Du in parlamentarischer Tätigkeit verbracht, als Sprecherin Deiner Klasse, hast die Tribüne des Parlaments in das Podium flammender Anklage gegen kapitalistische Willkür und Unterdrückung verwandelt. ... Die ersten 50 Jahre Deines Daseins waren auch ausgefüllt mit Verfolgung, Qual und Einkerkerung. ... Du warst als Kind der Arbeiterklasse nie auf Rosen gebettet, so mögen aber heute, an Deinem Ehrentag, die Rosen auf Deinem Tisch Kunde geben von der Anerkennung und Verehrung Deiner politischen Freunde für Deine Treue und Standhaftigkeit in den Reihen unserer stolzen Partei!“ Über ihr Wirken in der illegalen KPD nach 1956 ist wissentlich nichts dokumentiert. Nach Angaben ihres Neffen soll sie aber nicht in Hamburg, sondern unter anderem in Baden-Württemberg für die Partei gearbeitet haben. Anlässlich ihres 65. Geburtstages am 16. Juli 1968 schrieben Weggefährten in einer Grußbotschaft: „Als Abgeordnete der KPD in der Bürgerschaft und Kommunalpolitikerin erwarb sie sich sehr rasch das Vertrauen der werktätigen Bevölkerung. Insbesondere nahm sie sich der Nöte der Frauen und Kinder an. Und auch als Vizepräsidentin der Hamburger Bürgerschaft und später als Schriftführerin wurde sie überall geachtet, weil sie sich stets für die Belange der einfachen Menschen einsetzte.“ Sie war Mitbegründern der Deutschen Kommunistischen Partei, als diese am 25. September 1968 gegründet wurde. Der Mitgliederbestand wies eine Zahl von 9.000 aus. Auf Wikipedia ist hierzu nachzulesen: „Der Gründung der DKP ging im Juli 1968 ein Gespräch von zwei Funktionären der KPD mit dem Justizminister Gustav Heinemann der regierenden Großen Koalition voraus, in dem dieser eine Wiederzulassung der KPD ablehnte und die Gründung einer neuen Partei als den Weg für eine Legalisierung der politischen Arbeit von Kommunisten in der Bundesrepublik empfahl.“ Drei Todesanzeigen erschienen im Jahr 1987, die darüber informierten, dass Magda Langhans am 16. Januar gestorben war. Sie liegt begraben auf dem Ehrenfeld für Verfolgte der NS-Herrschaft in Hamburg-Ohlsdorf, zusammen mit ihrem Mann Heinrich. Sie wurde 83 Jahre alt.
Magda Langhans-Kelm
