Liebe User,
wie angekündigt, hier meine Rede zum Plenum.
Zum Video geht es über diesen Link!
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Ihre
Claudia Jung
89. Plenarsitzung des Bayerischen Landtags am 29.11.2011
Top 8 - Bildungspolitisches Gesamtkonzept - frühkindliche Bildung
- Es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrter Präsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir FREIEN WÄHLER fordern mit unserem Antrag, den Bereich der Frühkindlichen Bildung vom Sozialministerium wieder zurück in die Zuständigkeit des Kultusministeriums zu geben.
Wir sind uns durchaus dessen bewusst, dass wir damit nicht nur auf Gegenliebe stoßen. Nichts desto weniger halten wir diese Änderung für sinnvoll und auch für notwendig. Warum und weshalb werde ich Ihnen im Folgenden darlegen.
Als frühkindliche Betreuung 1994 vom Kultusministerium ins Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen übertragen wurde, stand eindeutig der Betreuungsaspekt im Vordergrund.
Familien sollten entlastet werden, Frauen sollte die Möglichkeit zur umfassenden Erwerbstätigkeit gegeben werden. Der bildungstheoretische und pädagogische Ansatz spielte dabei allenfalls eine nur untergeordnete Rolle.
Betreuungsmöglichkeiten für noch nicht schulpflichtige Kinder - ich wiederhole es - wurden unter familienpolitischen Gesichtspunkten gesehen. Insofern war die Anbindung an das Sozialministerium naheliegend.
Aber, meine Damen und Herren, die Zeiten haben sich massiv geändert. Auch wenn Sie das oft nicht wahrhaben wollen, liebe Kolleginnen und Kollegen der Regierungsfraktionen.
Viele Eltern wollen heute nicht nur eine mehr oder weniger qualitative Betreuung für ihre Kinder, sondern sie legen Wert auf pädagogische Konzepte. Eltern fordern für ihre Kinder Spracherziehung, ein Fremdsprachenangebot, musikalische und künstlerische Früherziehung, Umwelterziehung, Anregungen im MINT Bereich, Suchtprävention. Und vieles andere mehr.
Wir alle wissen, dass die frühkindliche Bildung auch und gerade für Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern ein wichtiges Element für Chancengleichheit – ja vielleicht sogar das wichtigste Element für Chancengleichheit ist.
Mit anderen Worten: Wir gehen weg vom Betreuungsaspekt und bewegen uns immer mehr hin zum Bildungsaspekt. Und das ist unter mehreren Gesichtspunkten durchaus sinnvoll.
Immer wieder wird auch in diesem hohen Haus die Bedeutung der frühkindlichen Bildung betont. Alle Fraktionen fordern Konzepte für ein lebenslanges Lernen. Dieses soll in der frühkindlichen Bildung beginnen und sich bis ins Seniorenalter fortsetzen.Dazu braucht es aber auch eine Stelle oder eine Institution, die mindestens große Teile dieses Bildungsprozesses koordiniert. Gewissermaßen Bildung aus einer Hand. Und genau das wollen wir mit unserem Antrag erreichen. Immer wieder heißt es im Bildungsbereich „Übergänge zu gestalten“.
Der Übergang vom Kindergarten in die Schule ist dabei sicher einer der bedeutendsten. Das weiß jeder, der Kinder auf diesem Weg als Vater oder Mutter begleitet hat. Und gerade hier haben wir eine Schnittstelle zwischen zwei Ministerien. Das kann doch nicht sein!
Statt Synergieeffekte zu nutzen haben wir hier völlig unnötige Reibungsverluste.
Wenn wir einen Blick auf andere Bundesländer werfen, so stellen wir fest, dass die Mehrzahl der Bundesländer frühkindliche Bildung folgerichtig in dem jeweiligen Ministerium angesiedelt hat, in dessen Zuständigkeit auch Schule und Bildung liegen.
Auch der Aktionsrat Bildung fordert übrigens in seinem Jahresgutachten eine weit intensivere Verzahnung von Kindertagesstätten und Grundschulen.
Meine Damen und Herren von der SPD, Sie haben unseren Antrag im Sozialausschuss mit dem Argument abgelehnt, er sei zu wenig konkret. Etwa in der Frage, ob frühkindliche Bildung vom ersten Tag an oder erst ab dem Zeitpunkt gilt, in dem Kinder die Kindertagesstätten besuchen und für sie damit das BayKiBiG greift.
Aus Sicht der FREIEN WÄHLER sage ich, dieses Gegenargument überzeugt uns nicht. Für beide Varianten kann man sicherlich Argumente finden und wir FREIEN WÄHLER sind hier auch offen.
Grundsätzlich ist zunächst einmal mit unserem Antrag intendiert, frühkindliche Bildung ab dem Zeitpunkt, in das Kultusministerium zu verlagern, ab dem das Kind eine Betreuungseinrichtung besucht, für die das BayKiBiG gilt. Gar nicht nachvollziehbar ist für uns ihr Argument, es wäre nun nicht der richtige Zeitpunkt. Ich frage Sie, meine Damen und Herren, wenn nicht jetzt, wann dann?
Deshalb bitten wir Sie, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, um Ihre Zustimmung zu unserem Antrag.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Mediathek:
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