So lustig kann Journalismus sein: Gestern widmete das Handelsblatt die gesamte Titelseite und zwei weitere Seiten im Innenteil einer Geschichte mit der Überschrift: "SPD plant Wahlkampf gegen die Finanzindustrie". Beleg für diese These waren ein Flugblatt und ein Internet-Video auf spd.de.
Das Dumme nur: Was da bei uns im Netz steht ist keineswegs - wie vom Handelsblatt suggeriert - eine geheime Kommandosache zur Vorbereitung des Bundestagswahlkampfs. Sondern Material, das wir im Herbst letzten Jahres im Kontext der occupy-Bewegung produziert haben - und das auch seitdem öffentlich ist. Alles andere als neu also. Trotzdem freut es uns natürlich, wenn das Handelsblatt so prominent auf unsere Flugblätter zur Finanztransaktionssteuer und zur Bankenregulierung hinweist.
Und obwohl das Handelsblatt spätestens seit gestern weiß, dass es ihren Lesern einen alten Hut als Top-Neuigkeit verkauft hat, legt es heute noch mal nach: In der Meldung "Banken mahnen SPD zur Sachlichkeit" heißt es: "Die Sozialdemokraten wollen die Macht der Finanzmärkte 2013 zum zentralen Wahlkampfthema machen. Das verärgert die Finanzindustrie."
Mein Tipp: Wer merkt, dass er einen toten Gaul reitet, sollte besser vom Pferd steigen.
Und damit nicht wieder alle über die vermeintlich verkommenen Print-Journalisten schimpfen: Solche absurden Geschichten findet man auch in online-Medien und Blogs.
Hier noch der Link zu unserem Material: http://www.spd.de/aktuelles/wir_sind_viele/ - pssst, nicht weitersagen - ist noch geheim ;-)
Ab 14.00 Uhr vertrete ich die Fraktion mit meiner Rede im Deutschen Bundestag zu einem Antrag der Grünen, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, die steuerliche Behandlung von Dienstwagen in Unternehmen ("Dienstwagenprivileg") abzubauen. Eine ernsthafte Debatte erwarte ich aber nicht. Wer den Antrag liest, merkt schnell, dass die Grünen den letzten steuerpolitischen Sachverstand ausgeschaltet haben und nur versuchen, eine Neiddebatte auf dem Rücken der deutschen Autoindustrie loszutreten.