Jürgen Trittin zum Referendum Griechenlands
Ministerpräsident Papandreou tritt die Flucht nach vorne an. Vor dem Hintergrund einer innenpolitischen Lage, dass diejenigen, die dieses Desaster in Griechenland im wesentlichen mit verursacht haben - nämlich die Konservativen - nun nicht bereits sind, sich an den Aufräumarbeiten zu beteiligen, setzt er auf eine Politik des „Alles oder Nichts". Der Hintergrund ist offensichtlich: Die Sparmaßnahmen, die verbunden sind mit der Restrukturierung Griechenlands treffen gerade die normale Bevölkerung in besonderer Art und Weise. Das, was innerhalb der Bevölkerung Griechenlands hier noch überhaupt keine Rolle spielt, nämlich, dass die Alternative eines ungeordneten Staatsbankrotts, gerade für die normalen Menschen in Griechenland noch viel gravierendere Folgen haben wird, ist ein Teil der Wahrheit. Der andere Teil der Wahrheit besteht auch darin, dass die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds, sie alle haben nicht hinreichend klar gemacht, dass es in Griechenland nicht nur ums Sparen geht, sondern auch um das Investieren in eine neue bessere wirtschaftliche Zukunft. Ein neues Griechenland-Paket, das im Dezember zur Verabschiedung ansteht, wird nur dann von der Bevölkerung Griechenlands in einer solchen Abstimmung akzeptiert werden, wenn klar ist, dass es darum geht, Griechenland wirtschaftlich und sozial wieder auf die Beine zu bringen und nicht nur darum, stumpf bei Pensionen und Gehältern zu sparen. Mit dieser Abstimmung geht Griechenland und geht auch Europa ...